WM 2014: Die Vorschau des Deutschland gegen Brasilien

Von Chris Johannes
Geschrieben am 7. Juli 2014 in Osnabrück

Heute könne das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien „Das Spiel des Jahrhundert.“ Es gibt’s so viele Handlungen — zwei Top-Teams jetzt mit acht Weltmeistertiteln zusammen, Europa gegen Südamerika, Verteidigung gegen Angriff und natürlich kein Neymar für die Heimmannschaft.

Das Match hat kein klare Favorit und vielleicht, wenn die Brasilien und Deutschland zehnmal spielen wurden, beide Mannschaften fünfmal gewinnen werden. Vergiss nicht, dass Brasilien und Deutschland spielen aber einmal nicht zehnmal. Das ist wichtig, wenn du Artikel über Neymar und Kader-Wechsel des Brasiliens lesest. Wenn Brasilien musste die ganze WM ohne Neymar zu spielen, dann ja, das würde eine große Problem für sein Mannschaft.

In meiner Erfahrung spielen Mannschaften manchmal besser, wenn ein Star-Player verletzt ist, weil jede Spieler wissen, dass er besser spielen muss. Die einzige Frage von mir ist: Wenn Deutschland erstens erzielt, wieso reagieren die Brasilianer ohne Neymar? Das ist eine Frage von Neymars Führerschaft und der Reife der Brasilianer. Wer kann eine Panik hindern, wenn Elend geschieht? Wir müssen heute Abend gucken.

Allerdings sagen, dass die Deutschen fast perfekt spielen müssen, um zu gewinn. Die Strategie der Deutschen in WM ist Ballbehauptung und gegen Brasilien diese Methode kann problematisch beweisen. Deutschland kann vorsätzlich spielen, wenn er führend ist, aber wie dürfen die Deutschen ihrer Strategie wechseln, wenn Brasilien so schnell ist? Kann die Deutschen genug Torschüsse finden?

Ich wünsche selbstsüchtig für ein Spiel mit sieben Toren, aber das ist natürlich unwahrscheinlich. Mein größter Wunsch ist keine Gewalt oder Unruhe in jedem Land nach dem Spiel. Die WM kommt jede vier Jahre und wir müssen diese Zeiten genießen:

Offensiv zu schwach

Von Chris Johannes*
In der Neuen Osnabrücker Zeitung am 3. Juli 2014
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Unsere Fußballer hatten gute Chancen gegen Belgien, aber sie kamen zu spät. Die Abwehrspieler spielten 90 Minuten mit Macht und ohne Fehler. Torhüter Tim Howard war schneller als eine Katze, und er motivierte seine Mannschaft. Seine 15 Paraden bedeuten WM-Rekord – zumindest ab 1966, als die FIFA anfing, die Paraden zu zählen.

Das Problem des US-Teams aber war offensichtlich. Es geriet in die gleiche Verlegenheit wie gegen Deutschland und Portugal – kein Angriff. Wenn man schon keine klassischen Stürmer hat, muss es nach meinen Vorstellungen so sein, dass die Spitzen zumindest präzise eingesetzt werden. Aber da sehe ich bei uns keine Spieler, die sich auf dem Elite-Level bewegen.

Dabei haben wir sie, mussten aber auf sie verzichten: Jozy Altidore und Landon Donovan. Der 24 Jahre alte Altidore hatte schon 21 Tore seit 2007 für die Nationalmannschaft gemacht, aber aufgrund der Oberschenkelverletzung gegen Ghana kamer anschließend nicht mehr zum Einsatz. Der 32 Jahre alte Donovan, Rekordtorschütze der US-Nationalmannschaft mit 57 Toren, 57 Vorlagen und 156 Einsätzen, war überraschend nicht im Kader.

Ich gebe dem Trainer keine Schuld, aber ich weiß, dass die amerikanische Presse Klinsmann weiterhin eine Schuldzuweisung für die Donovan-Entscheidung gibt. Klinsmann hat einen Vertrag als Trainer bis 2018 und hat schon angekündigt, dass er ihn erfüllen und die USA auch 2018 in Russland trainieren wolle. Klinsmanns Stärken: Er sieht das Gebilde Nationalmannschaft als Einheit, denkt an die Zukunft und hat keine Angst vor der Presse.

Vielleicht hätte Donovan den USA in Brasilien ja geholfen. Aber den Titel hätte aucher nicht garantieren können. Doch gerade ein Titel würde dem Fußball in den USA wirklich den Impuls geben zu wachsen.

* Chris Johannes (28) absolviert seit Anfang Juni bis Ende August ein Praktikum bei unserer Zeitung. An der Universität von Southern Indiana in Evansville mache er seine Abschlüsse in den Disziplinen Journalismus und Deutsch.

Klinsmann versteht uns

Von Chris Johannes*
In der Neuen Osnabrücker Zeitung am 24. Juni 2014
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Der Jack Daniels, unser bekanntester Bourbon, war schon bestellt, doch dann zogen wir die Order im Pub zurück. Außer mir schauten drei weitere Amerikaner und eine deutsche Freundin diese nächtliche nervenaufreibende Partie zwischen den USA und Portugal. Keine Frage, das Bier schmeckte uns allen, doch nach dem 2:2-Unentschieden durch Varela hatte es einen schalen Beigeschmack. Ganz zu schweigen von den entgangenen Freuden durch einen Jack Daniels. Aber Strafe muss sein.

Also: Unsere Mannschaft spielte in den 95 Minuten im Brutkasten von Manaus relativ guten Fußball. Die Stürmer setzten die Hintermannschaft der Portugiesen unter Druck, Torwart Tim Howard war ein starker Rückhalt. Die US-Boys schienen auf einem guten Weg, die Gruppe G vorerst zu kontrollieren.

Ein Unentschieden ist für uns Amerikaner schwer zu erklären. Nach dem Spiel in der Pressekonferenz fragten die Journalisten Jürgen Klinsmann nach diesem unbekannten Wesen, dem Unentschieden, das doch im direkten Duell mit der DFB-Mannschaft reichen würde, um ins Achtelfinale einzuziehen. Und auch das Wort vom Nichtangriffspakt von Gijón 1982 fiel.

Klinsmann gab eine perfekte Antwort: Das sei ein Teil der deutschen Geschichte, habe nichts mit den USA zu tun. Die Amerikaner seien eben nicht gemacht für Unentschieden. Beide Mannschaften würden in das Spiel gehen, um es zu gewinnen. Es werde ein aufregendes Match.

Das kann ich besser nicht erklären. Klinsmann versteht die amerikanische Sportpsyche, deren Maxime lautet: „Wir spielen, um zu gewinnen.“ Vielleicht ist Klinsmann noch etwas deutsch im Unterbewusstsein, aber sein Herz ist in den USA. Am Donnerstag wird es kein Spaziergang für die deutsche Mannschaft. Okay – wenn es dann trotzdem ein Unentschieden werden sollte, trinken wir eben unseren Jack Daniels.

* Chris Johannes (28) absolviert seit Anfang Juni bis Ende August ein Praktikum bei unserer Zeitung. An der Universität von Southern Indiana in Evansville mache er seine Abschlüsse in den Disziplinen Journalismus und Deutsch.

Fußball, Bier und Tore

Von Chris Johannes*
In der Neuen Osnabrücker Zeitung am 18. Juni 2014
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Da habe ich mir ja den richtigen Zeitpunkt ausgesucht für ein Praktikum in Deutschland. Während einer Fußball-Weltmeisterschaft in einem Land, das kein anderes Thema zu kennen scheint. Erst recht nach dem deutschen Auftaktsieg gegen Portugal, der das Interesse noch einmal vervielfacht zu haben scheint.

Seit 16 Tagen bin ich nun hier und habe registriert, dass ohne Bier nichts geht. Ich meine das nur in Zusammenhang mit dem Fußball. Du brauchst eines zur Vorbereitung auf das Spiel, um auf die Partie anzustoßen, einen Sieg zu feiern oder um eine Niederlage wahlweise zu entschuldigen, zu erklären oder zu vergessen.

Das deutsche Spiel gegen Portugal habe ich auch verfolgt. 40 Leute in einem Raum, der nicht größer als 36 Quadratmeter und mit einem Viermeter-Screen ausgestattet war. Etwa die Hälfte der Gäste waren Deutsche, der Rest international. Die UN hätten ihre helle Freude gehabt, zumal alles friedlich verlief. Interessant, dass ein Star wie Cristiano Ronaldo es schaffte, die deutsche Ein-Mann-Mauer zu treffen. Ein Kunstschütze eben. Interessant fand ich es auch, wie sich die Kanzlerin eingebracht hat. Zusammen mit nur halb bekleideten Männern in der Kabine, „Angie“ scheint zu wissen, wie es geht.

Selbstverständlich habe ich auch das Spiel der US-Boys gegen Ghana verfolgt und wusste, unter welchem Druck Jürgen Klinsmann stand. Die Presse hatte sich schon auf ihn eingeschossen, doch der 2:1-Sieg lässt ihn ruhiger arbeiten. Bezeichnenderweise hat ihn der Deutsch-Amerikaner John Brooks mit seinem späten

Tor gerettet. Übrigens – in der Tipprunde unserer Sportredaktion liege ich zusammen mit einer Kollegin in Führung. Da sage noch einer, wir Amis hätten keine Ahnung vom Fußball. Und wie geht’ s weiter? Mehr Fußball, mehr Tore , mehr Bier. Denn schließlich ist ja Fußball-WM, und ich genieße sie.

* Chris Johannes (28) absolviert seit Anfang Juni bis Ende August ein Praktikum bei unserer Zeitung. An der Universität von Southern Indiana in Evansville mache er seine Abschlüsse in den Disziplinen Journalismus und Deutsch.